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ALF-FIETE

Liebe Menschen,
ich heiße Alf-Fiete, werde aber nur Fiete gerufen. Ich wurde als Ältester in eine große Familie geboren. Dort verteidigte ich meinen Königssitz auf der Hängeschaukel gegen meine vielen Geschwister, beschützte meine Lieblingsschwester und habe auch meiner Mutter mal die Meinung gegeigt.
Im neuen Zuhause habe ich mich ganz besonders auf das Klingeln der benachbarten
Schule zu Mittag gefreut. Noch heute setze ich mich vor Kinder hin, um ein Leckerli zu erhalten, auch wenn sie kleiner sind als ich. Das mache ich auch bei den ganz alten Menschen in Betten und Rollstühlen, wenn mein Frauchen mich während ihrer Arbeit mitnimmt.
Ärger wollte ich noch nie. Ich hole inzwischen Dummies, Enten und Hasen selbst dann, wenn so ein Blödmann mir mal ins Ohr beißt. Beute ist mir so wichtig, dass ich im Eifer auch mal mein Frauchen und Herrchen vergaß; Mords Ärger gab es jedes Mal. Richtig glücklich waren die beiden als ich mit 4 Monaten auf 100m Voran-Stop-Voran und auf 200m im Wald einen Hocker finden konnte, was ich aber nur wegen der Leckerli gemacht habe. Mit etwas über einem halben Jahr wurde ich ein
„Seehundretriever“. Heute schwimme ich überall gerne, je höher die Wellen desto besser. Beim Spazieren am Nord-Ostsee-Kanal schwimme ich 2-3 km in der Mitte des Kanals um die Wette. Ärgerlich bin ich im Winter, da ich bei kaltem Wasser nur eine viertel Stunde schwimmen darf, dabei sind 4 Grad doch nun wirklich nicht kalt.
Als ich 10 Monate alt war flog mir dann das erste Mal eine Ente und ein Kanin vor die Füße, dreimal dran geschnuppert und mein Adrenalin schoss mir durchs Hirn. Jetzt schnell schnapp und weg. Mist, dass Herrchen auf Apport bestand und nicht lockerließ. Zum Tausch gab es dann Pansen grün, Super lecker, oder noch besser ein kleines Zerrspiel mit meinem Knotenball. Der absolute Hit sind aber fliegende Dummies: ICH WILL ARBEITEN! Heute sind 6 Treibjagden je eine Stunde mit einem Duzend Schützen für mich der größte Spaß, selbst wenn ich der einzige Hund bin. Die anderen arbeiten sowieso zu langsam oder werden nach der Hälfte getauscht. Bei der jagdlichen Anlagensichtung war ich wohl zu schnell, denn die Fotografin hat mich bei der Schleppe kaum fotografieren können, da keiner mit mir gerechnet hat. Warum alle gelacht haben, wenn ich Witterung aufgenommen habe, weiß ich bis heute nicht. Ich kann Witterung riechen und schmecken, so dass ich gerne meine Zunge zu Hilfe nehme. Der Prüfer hatte wohl selbst mal Chessies und „die Latte etwas höher gehängt“. Mich konnten sie aber weder mit Graben, noch Feld/Wald, Kurve oder der großen Länge linken. Selbst den Trick mit einer Verleitung habe ich durchschaut. Mich interessieren doch nicht die Schuhe des Schleppenlegers, wenn ich das Kanin haben will. Dann interessiert mich auch kein Weißdorngebüsch. Aber ich pass immer auf wo mein Frau- oder Herrchen ist. Wenn die sich wegbewegen, breche ich auch mal ab und schau, was los ist; die sind mir wichtiger als mein eigenes Leben.
Meine Aufgaben wurden dann immer schwieriger. Zum Üben ging es mit 9 anderen Gespannen wöchentlich in eine riesige Kiesgrube. Dummies wurden im Umkreis von vielen hundert Metern auf 20m hohen Halden, in Gräben, im Gras und Diesteln, in Tümpeln und überall versteckt. Voran, Apport, Stop, Links, Rechts, Such konnten auch die anderen aber nicht so schnell und die unterschiedlichen Pfiffe und Triller können nur wenige. 6 Meter hohe Abbruchkanten hat keiner der anderen überwunden, und wenn Dummies nicht mehr auffindbar waren, musste ich am Ende der Einheit ran, um zu suchen. Irgendwann ging dann wieder der Ernst der Jagdausbildung los. Die haben sogar versucht, mich durch Schüsse auf die Wasseroberfläche vom Apportieren einer Ente abzuhalten. Aber nichts da, das beeindruckt mich nicht. Im Saugatter hat mir dann mein Herrchen auf allen Vieren vorgemacht, wie man bellt. Das habe ich schnell kapiert und dann im Gehege ohne Zaun die zwei Sauen mit tiefem Gebell in eine Ecke des Geheges gedrückt, erst die kleine und dann die große. Später dann auch den Keiler hin- und hergetrieben; das war ein Spaß. Als die Sauen nicht mehr wollten bin ich zur Abkühlung schnell in deren Teich. Nach einem lockeren Nachmittag mit Schleppen, Enten aus dem Wasser holen, Sitzen bei Knallerei und viel Suchen im Feld bin ich jetzt brauchbar. Im Winter 24/25 habe ich dann gelernt, Eis aufzubrechen. Das könnte ja mal nötig sein, wenn ich bei einer Gänsejagd wieder diese wehrhaften Gänse schütteln und vom Eis apportieren soll. Mit einem 5kg Dummy haben sie mich deshalb Kilometer durch den Wald laufen lassen und das auch noch angeleint. Zu Hause im Garten musste ich danach Eier apportieren, nur die heilen Eier landeten im Fressnapf und jetzt beides hintereinander über eine 1m hohe Hürde.
Seit kurzem ist meine Nase Mittelpunkt, endlich! Ich darf jetzt viele hundert Meter mitten durch den Wald hinter einer Schweißspur hinterher, die so lange liegt, dass ich keine Fußspuren mehr wahrnehmen kann. Super Spiel, am Ende gibt’s immer Zerrspiele mit Rehdecke und blutiges Rinderherz. Nun muss ich aber Schluss machen, mein Frauchen mag die 5 km zum Wasser nicht alleine Fahrrad fahren. Als Belohnung darf ich dann wieder neben ihr im Kanal schwimmen und zuhause gibt es dann Frühstück. Mal sehen, was noch alles kommen wird.Ich wünsche mir ganz besonders innig eine Freundin. Vielleicht meldet sich  ja ein nettes Mädel.

Tschüss aus Kiel euer Fiete

© 2022 by Ines & Karin Kronen

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